| Die Vierzeiler Brans | Die Prophezeihung des Johannes von Jerusalem |
| Die Gleichnisse des Beyonders | Tränen eines Engels |
Die Prophezeiungen des Johannes von Jerusalem
Strophe 1
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird Gold im Blute sein.
Wer den Himmel betrachtet, wird dort
Taler zählen
Wer in den Tempel tritt, wird dort
Händler treffen
Die Lehnsleute werden Geldwechsler
und Wucherer sein
Das Schwert wird die Schlange verteidigen.
Aber das Feuer wird schwelen
Jede Stadt wird ein Sodom und Gomorrah
sein
Und die Kinder der Kinder werden
zu einer Glutwolke werden
Sie werden die alten Fahnen heben.
Strophe 2
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der Mensch Himmel und Erde und
Meere mit seinen Geschöpfen bevölkert haben
Er wird befehlen
Er wird die Macht Gottes anstreben
Er wird keine Grenzen kennen.
Doch alles wird sich umkehren
Er wird schwanken wie ein betrunkener
König
Er wird galoppieren wie ein blindes
Pferd
Mit Sporen wird er sein Reittier
in den Wald treiben
Und am Ende des Weges wird ein Abgrund
sein.
Strophe 3
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden sich an allen Punkten der
Erde babylonische Türme errichten
Es wird Rom und es wird Byzanz sein
Die Felder werden sich leeren
Es wird kein Gesetz geben, nur das
eigene und das der eigenen Gruppe.
Doch die Ungläubigen werden
in der Stadt sein
Es wird nicht mehr Brot genug für
alle geben
Und die Spiele werden nicht mehr
genügen
Und dann werden die Menschen ohne
Morgen die großen Feuer anzünden.
Strophe 4
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird viele Menschen der Hunger treffen
Viele Hände werden blau vor
Kälte sein
So daß diese Menschen eine
andere Welt sehen wollen
Und die Händler der Illusion
werden kommen und Gift anbieten.
Doch es wird die Körper zerstören
und die Seelen verderben.
Und jene, die ihr Blut mit dem Gift
vermischten
Werden wie wilde Tiere in der Falle
sein
Und töten und vergewaltigen
und erpressen und rauben
Und das Leben wird zu einer täglich
wiederkehrenden Apokalypse werden.
Strophe 5
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird jeder versuchen, soviel Genuß
zu erreichen, wie er kann
Der Mann wird seine Frau so oft verstoßen,
wie er sich verheiratet
Und die Frau wird durch hohle Gassen
gehen und sich jeden nehmen, der ihr gefällt
Und Kinder gebären, ohne den
Namen des Vaters zu nennen.
Doch kein Meister wird das Kind führen
Und jeder wird zwischen allen anderen
allein sein
Die Tradition wird verloren sein
Das Gesetz wird vergessen sein
Als ob es die Verkündigung nie
gegeben hätte und der Mensch wieder zum Wilden würde.
Strophe 6
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der Vater seine Tochter zu seiner
Lust nehmen
Der Mann den Mann, die Frau die Frau
Der Alte das Kind
Das wird vor aller Augen geschehen.
Doch das Blut wir unrein werden
Das Böse wird sich von Bett
zu Bett ausbreiten
Der Körper wird alle Fäulnis
der Erde aufnehmen
Die Gesichter werden gequält,
die Glieder abgezehrt sein
Die Liebe wird die größte
Bedrohung für jene, die sich nur noch über das Fleisch erkennen.
Strophe 7
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der, welcher von Schwur und
Gesetz spricht
Nicht mehr gehört werden
Die Stimme dessen, der den Glauben
an Christus predigt
wird in der Wüste verhallen.
Doch überall werden sich die
mächtigen Wasser der treulosen Religionen verbreiten.
Falsche Messiasse werden die blinden
Menschen um sich versammeln
Und der Ungläubige wird Waffen
tragen wie noch nie zuvor
Er wird von Gerechtigkeit und Recht
sprechen, und sein Glaube wird glühend und scharf sein
Er wird sich rächen für
den Kreuzzug.
Strophe 8
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird das Dröhnen des Todes wie
Donner über der Erde krachen
Die Ungläubigen werden sich
mit den Soldaten der letzten Legionen vermischen
Die Gottlosen werden in den Herzen
der Heiligen Städte wohnen
Einer nach dem anderen wird barbarisch,
treulos und wild.
Es wird keine Ordnung und keine Regel
mehr geben
Der Haß wird sich ausbreiten
wie Feuer in einem trockenen Wald
Die Ungläubigen werden die Soldaten
massakrieren
Die Gottlosen werden die Gläubigen
erwürgen
Die Grausamkeit wird eines jeden
und aller sein, und die Städte werden zugrunde gehen.
Strophe 9
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Menschen richten nach
ihrem Blut und ihrem Glauben
Niemand wird die leidenden Herzen
der Kinder hören
Sie werden wie junge Vögel aus
dem Nest gestoßen
Und niemand wird sie beschützen
vor der Hand mit dem Panzerhandschuh.
Der Haß wird die Erde überfluten,
die sich friedlich glaubte
Niemand wird verschohnt werden, nicht
die Alten, nicht die Verletzten
Die Häuser werden zerstört
und geplündert werden
Die einen werden an die Stelle der
anderen treten
Alle werden die Augen verschließen,
um die vergewaltigten Frauen nicht zu sehen.
Strophe 10
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird jeder wissen, was an allen Enden
dieser Erde ist
Wird man Kinder sehen, deren Knochen
die Haut durchstoßen
Und solche, deren Augen von Fliegen
bedeckt sind
Und solche, die gejagt werden wie
Ratten.
Doch der Mensch, der dies sieht,
wird sein Gesicht abwenden
Denn er kümmert sich nur um
sich selbst
Er wird eine Handvoll Korn als Almosen
geben
Während er auf vollen Säcken
schläft
Und was er mit der einen Hand gibt,
wird er mit der anderen wieder nehmen.
Strophe 11
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der Mensch mit allem Handel
treiben
Jedes Ding wird seinen Preis haben
Baum, Wasser und Tier
Nichts wird mehr wahrlich geschenkt
sein, und alles wird verkauft werden.
Doch der Mensch wird dann nicht mehr
sein als das Gewicht seines Fleisches
Sein Körper wird feilgeboten
werden wie ein Pfund Fleisch
Sein Ohr und sein Herz wird man nehmen
Nichts wird mehr heilig sein, weder
sein Leben noch seine Seele
Man wird sich um seine sterbliche
Hülle und um sein Blut streiten, als wolle man Aas zerfetzen.
Strophe 12
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der Mensch das Gesicht der Erde
verändert haben
Er wird sich für den Meister
und Lehnsherren der Wälder und Herden halten
Er wird den Boden und den Himmel
zerpflügt
Und seine Furchen durch die Flüsse
und Meere gezogen haben.
Doch die Erde wird nackt und unfruchtbar
sein
Die Luft wird brennen und die Luft
übel riechen
Das Leben wird welken, denn der Mensch
wird den Reichtum der Welt ausgeschöpft haben
Und der Mensch wird einsam sein wie
ein Wolf in seinem Haß.
Strophe 13
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird auch das Kind verkauft werden
Manche werden sich seiner bedienen
wie einer Zielscheibe
Um Genuß zu finden an seiner
jungen Haut
Andere werden es wie ein unterwürfiges
Tier behandeln.
Die unantastbare Schwäche des
Kindes wird vergessen sein
Und sein Geheimnis
Es wird wie ein Fohlen sein, das
dressiert wird
Wie ein Lamm, das geschlachtet und
ausgeblutet wird
Und der Mensch wird nur noch die
Grausamkeit kennen.
Strophe 14
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden Blick und Geist des Menschen
Gefangene sein
Sie werden trunken sein und es nicht
bemerken
Sie werden Bilder und Spiegelungen
für die Wahrheit der Welt halten
Man wird mit ihnen machen, was man
mit einem Schaf macht.
Dann werden die Raubtiere kommen
Raubvögel werden sie zu Herden
zusammentreiben, um sie leichter zum Abgund zu drängen
Und einen gegen den anderen aufhetzen
zu können
Man wird sie häuten, um ihre
Wolle und ihre Haut zu bekommen
Und wenn der Mensch überlebt,
wird er seiner Seele beraubt sein.
Strophe 15
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Lehnsherren ohne Glauben
herrschen
Sie werden den unschuldigen und untätigen
Menschenmengen gebieten
Sie werden ihre Gesichter verbergen
und ihre Namen geheimhalten
Und ihre festen Burgen werden sich
in den Wäldern verlieren.
Doch sie werden über das Schicksal
von allem und jedem entscheiden
Niemand wird an den Versammlungen
ihrer Ordnung teilnehmen
Jeder wird in Wirklichkeit ein Leibeigener
sein und glauben, ein freier Mann und Ritter zu sein
Allein werden sich die aus den wilden
Dörfern und mit ketzerischen Glauben erheben
Doch sie werden zuerst besiegt und
lebendig verbrannt werden.
Strophe 16
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Menschen auf der Welt
so zahlreich sein
Daß sie einem Ameisenhaufen
gleichen, in den ein Stock getrieben wird
Sie werden umherrennen, und der Tod
wird sie mit dem Absatz zermalmen
Wie verwirrte Insekten.
Große Bewegungen werden sie
von einem Ort zum nächsten treiben
Braune Haut wird sich mit weißer
vermischen
Der christliche Glaube mit dem des
Ungläubigen
Manche werden den versprochenen Frieden
predigen
Doch allerorten werden verfeindete
Stämme Krieg führen.
Strophe 17
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Menschen alle Grenzen
überschreiten wollen
Die Mutter wird graue Haare haben
wie eine Alte
Der Weg der Natur wird verlassen
werden
Und die Familien werden wie Körner
sein, die verstreut wurden und die nichts mehr einen kann.
Es wird also eine andere Welt sein
Wie ein durchgegangenes Pferd wird
ein jeder herumirren ohne Halt
Ohne Führung in alle Richtungen
gehen
Unglück dem Reiter, der dieses
Tier lenkt
Er wird keine Steigbügel haben
und in den Graben stürzen.
Strophe 18
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Menschen sich nicht mehr
dem Gesetz Gottes unterwerfen
Sie werden das Leben wie ein Reittier
lenken wollen
Sie werden ihre Kinder im Leib ihrer
Weiber wählen wollen
Und die töten, die sie nicht
mögen.
Doch wer wird der Mensch sein, der
sich so für Gott hält?
Die Mächtigen werden das beste
Land und die schönsten Weiber an sich reißen
Die Armen und die Schwachen werden
wie Vieh sein
Jede armselige Hütte wird ein
Gefängnisturm sein
Die Angst wird sich wie Gift in jedes
Herz fressen.
Strophe 19
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird es eine dunkle und geheime Ordnung
geben
Ihr Gesetz wird der Haß sein
und ihre Waffe das Gift
Sie wird immer mehr Gold wollen und
ihre Herrschaft über die Erde verbreiten
Und ihre Diener werden untereinander
durch einen Kuß des Blutes verbunden sein.
Die Gerechten und Schwachen werden
ihren Regeln gehorchen
Die Mächtigen werden ihr zu
Diensten sein
Das einzige Gesetz wird das sein,
welches sie im Schatten diktiert
Sie wird das Gift bis in die Kirchen
hinein verkaufen
Und die Welt wandert mit dem Skorpion
unter ihren Sohlen.
Strophe 20
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden viele Menschen mit verschränkten
Armen dasitzen
Oder sie werden mit leeren Augen
umhergehen, ohne zu wissen wohin
Denn sie werden keine Schmiede mehr
haben, wo sie das Eisen schmieden können
Und kein Feld mehr, das sie bestellen
können.
Sie werden sein wie das Samenkorn,
das keine Wurzeln schlagen kann
Umherrirrend und entblößt,
gedemütigt und hoffnungslos
Die Jüngsten und die Ältesten
oft ohne Heim
Es wird ihnen nur noch bleiben, für
ihr Heil in den Krieg zu ziehen
Und sie werden zuerst sich selbst
bekämpfen und ihr Leben hassen.
Strophe 21
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Krankheiten des Wassers,
des Himmels und der Erde
Den Menschen treffen und ihn bedrohen
Er wird das, was er zerstört
hat, wiedererstehen lassen, und das, was geblieben ist, bewahren wollen
Er wird vor den Tagen Angst haben,
die vor ihm liegen.
Doch es wird zu spät sein
Die Wüste wird die Erde überziehen,
und das Wasser wird tiefer und tiefer werden
Es wird an bestimmten Tagen fließen
und alles mit sich reißen, wie eine Sintflut
Seinetwegen wird es für die
Erde kein Morgen geben
Und die Luft wird die Körper
der Schwächsten zerfressen.
Strophe 22
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird die Erde an mehreren Stellen
erbeben, und die Städte werden untergehen
Alles was ohne den Rat der Weisen
gebaut wurde
Wird bedroht und zerstört werden
Der Schlamm wird die Dörfer
unter sich begraben, und der Boden wird sich unter den Palästen öffnen.
Der Mensch wird starrköpfig
sein, denn er ist vom Stolz besessen
Er wird die Warnung nicht hören,
die ihm die Erde immer wieder zuruft
Feuerbrünste werden die neuen
Roms zerstören
Die Armen und die Ungläubigen
werden trotz der Legionen die verlassenen Reichtümer plündern.
Strophe 23
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird die Sonne die Erde verbrennen
Die Luft wird nicht mehr vor Feuer
schützen
Sie wird nur noch ein löchriger
Vorhang sein
Und das brennende Licht wird Haut
und Augen verzehren.
Das Meer wird aufschäumen wie
kochendes Wasser
Die Städte und Flüsse werden
begraben werden
Ganze Kontinente werden verschwinden
Die Menschen werden sich auf Anhöhen
flüchten
Und sie werden beginnen wiederaufzubauen
und vergessen, was geschehen ist.
Strophe 24
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Menschen Trugbilder zum
Leben erwecken können
Die Sinne werden getäuscht werden,
und sie meinen zu berühren, was gar nicht ist
Sie werden Wege beschreiten, die
nur die Augen sehen können
Und der Traum wird so Wirklichkeit
werden.
Doch der Mensch wird nicht mehr unterscheiden
können zwischen dem, was ist, und dem, was nicht ist
Er wird sich in falschen Labyrinthen
verlieren
Jene, welche die Trugbilder zum Leben
erwecken können
werden mit dem gutgläubigen
Menschen ihr Spiel treiben und ihn betrügen
Und viele Menschen werden zu unterwürfigen
Hunden.
Strophe 25
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden die Tiere, die Noah in seine
Arche aufgenommen hat
nicht mehr in den Händen der
Arche sein
Der die Tiere nach seinem Willen
verändert hat
Und wer wird sich um ihr nichtendenwollendes
Leid kümmern?
Der Mensch wird jedes Lebewesen so
gestalten, wie es ihm gefällt
Und er wird unzählige davon
getötet haben
Was wird aus dem Menschen werden,
der die Gesetze des Lebens verändert hat
Der aus dem lebenden Tier einen Lehmklumpen
machte
Wird er das Ebenbild Gottes oder
das Kind des Teufels sein?
Strophe 26
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Muß man um das Kind des Menschen
Angst haben
Gift und Hoffnungslosigkeit werden
auf es lauern
Man wird es nur für sich wünschen
und nicht um seinetwillen oder für das Leben
Es wird gehetzt werden, und manchmal
wird man seinen Körper verkaufen.
Doch selbst jener, welcher von den
Seinen beschützt wird
Wird bedroht sein, einen toten Geist
zu haben
Er wird im Spiel und im Trugbild
leben
Das ihn führen wird, denn er
hat keinen Meister mehr
Niemand hat ihn gelehrt, zu hoffen
und zu handeln.
Strophe 27
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird sich der Mensch für Gott
halten, obwohl er nicht mehr sein wird als bei seiner Geburt
Er wird immer zuschlagen, überwältigt
von Wut und Eifersucht
Doch sein Arm wird stark sein durch
die Macht, die er ergriffen hat
Als blinder Prometheus wird er alles
um sich herum zerstören können.
Er wird in seiner Seele ein Zwerg
bleiben und die Kräfte eines Riesen besitzen
Er wird mit Riesenschritten voranschreiten
und nicht wissen, welchen Weg er nehmen soll
Sein Kopf wird schwer von Wissen
sein
Doch er wird nicht wissen, warum
er lebt und stirbt
Er wird wie seit jeher der Verrückte
sein, der mit den Armen fuchtelt, oder das Kind, das wimmert.
Strophe 28
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden ganze Landstriche Kriegsbeute
sein
Jenseits des römischen Limes
und selbst auf dem alten Reichgebiet
Die Menschen derselben Städte
werden sich gegenseitig die Kehlen durchschneiden
Hier wird Krieg herrschen zwischen
Stämmen und dort zwischen Gläubigen.
Die Juden und die Sarazenen werden
nicht aufhören, sich zu bekriegen
Und die Erde Christi wird ihr Schlachtfeld
sein
Doch die Ungläubigen werden
überall die Reinheit ihres Glaubens verteidigen wollen
Und es werden ihnen nur Zweifel und
Macht gegenüberstehen
Während der Tod überall
voranschreitet wie die Standarte der neuen Zeit.
Strophe 29
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Werden viele Menschen vom menschlichen
Leben ausgeschlossen sein
Sie werden keine Rechte, kein Dach
und kein Brot haben
Sie werden nackt sein und nur noch
ihren Körper haben zum Verkaufen
Man wird sie verstoßen weit
weg von den Türmen des Überflusses zu Babylon.
Sie werden bedrohlich knurren in
Schuld
Sie werden ganze Landstriche besetzen
und sich vermehren
Sie werden die Weissagung von der
Vergeltung hören
Und sie werden die hochmütigen
Türme stürmen
Die Zeiten der Invasion der Ungläubigen
werden gekommen sein.
Strophe 30
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt
Wird der Mensch in ein undurchdringliches
Labyrinth eingetreten sein
Er wird Angst haben und die Augen
schließen, denn er wird nicht mehr sehen können
Er wird voller Argwohn sein und bei
jedem Schritt Furcht empfinden
Doch er wird vorwärtsgetrieben,
denn es wird ihm keine Rast gewährt werden.
Die Stimme der Kassandra aber wird
laut und stark sein
Er wird sie nicht hören
Denn er will immer mehr besitzen,
und sein Kopf wird sich in Trugbildern verlieren
Jene, die seine Meister sein werden,
werden ihn betrügen
Und es wird nur mehr schlechte Hirten
geben.
Strophe 31
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Werden die Menschen endlich die Augen
geöffnet haben
Sie werden nicht mehr in ihren Köpfen
und ihren Städten gefangen sein
Sie werden von einem Ende der Erde
zum anderen sehen und einander verstehen können
Sie werden wissen, daß, was
den einen schlägt, den anderen verletzt.
Die Menschen werden einen einzigen
großen Körper bilden
Von dem jeder von ihnen ein winziger
Teil ist
Gemeinsam werden sie das Herz sein
Und es wird eine Sprache geben, die
von allen gesprochen wird, und so wird es endlich geboren
werden, das große Menschliche.
Strophe 32
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird der Mensch den Himmel erobert
haben
Er wird Sterne schaffen im großen,
dunklen blauen Meer
Und er wird auf diesem glänzenden
Schiff reisen
Als neuer Odysseus, Freund der Sonne,
auf die Himmlische Odyssee gehen.
Doch er wird auch der Herr des Wasser
sein
Er wird große Wasserstädte
bauen
Die sich von den Früchten des
Meeres ernähren
Er wird so an allen Orten der großen
Domäne wohnen
Und nichts wird ihm verboten sein.
Strophe 33
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Werden sich die Menschen unter Wasser
bewegen können
Ihr Körper wird neu sein, und
sie werden Fische sein
Und einige werden höher fliegen
als die Vögel
Als ob der Stein nicht zur Erde fiele.
Sie werden miteinander kommunizieren
Denn ihr Geist wird so offen sein,
daß er alle Botschaften aufnehmen kann
Und Träume werden sie miteinander
teilen
Und sie werden so lange leben wie
der älteste unter den Menschen
Jener von dem die Heiligen Bücher
sprechen.
Strophe 34
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird der Mensch den Geist aller Dinge
kennen
Den Stein oder das Wasser, den Körper
des Tieres oder den Blick eines anderen
er wird die Geheimnisse durchdringen,
welche die alten Götter hüteten
Und er wird ein Tor nach dem anderen
aufstoßen zu dem Labyrinth des neuen Lebens.
Er wird schaffen, kraftvoll und sprudelnd
wie eine Quelle
Er wird alle Menschen das Wissen
lehren
Und die Kinder werden die Erde und
den Himmel besser kennen als irgend jemand vor ihnen
Und der menschliche Körper wird
größer und gewandter sein
Und sein Geist wird alle Dinge umgeben
und sie besitzen.
Strophe 35
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird der Mann nicht mehr der einzige
Herr sein, denn die Frau wird kommen, um das Zepter zu ergreifen
Sie wird die große Herrin zukünftiger
Zeiten sein
Und was sie denkt, wird sie den Männer
aufzwingen
Sie wird die Mutter dieses Jahrtausends
sein, das nach dem Jahrtausend kommt.
Sie wird die milde Süße
einer Mutter verströmen nach den Tagen des Teufels
Sie wird die Schönheit sein
nach den häßlichen Zeiten der Ungläubigen
Das Jahrtausend, das nach diesem
Jahrtausend kommt, wird sich in eine leichte Zeit verwandeln
Es wird geliebt und geteilt und geträumt,
und Träume werden wahr gemacht werden.
Strophe 36
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird es für den Menschen eine
zweite Geburt geben
Der Geist wird sich der Masse der
Menschen bemächtigen
Die eins sind in der Brüderlichkeit
Dann wird das Ende der Zeiten der
Ungläubigen verkündet.
Es wird die Zeit einer neuen Stärke
im Glauben sein
Nach den schwarzen Tagen am Beginn
des Jahrtausends, das nach dem Jahrtausend kommt
Werden die glücklichen Tage
beginnen
Der Mensch wird den Weg der Menschen
wiederfinden
Und die Erde wird ihre Ordnung wiederhaben.
Strophe 37
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Werden Wege von einem Ende der Erde
und des Himmels zum anderen führen
Die Wälder werden wieder dicht
sein
Und die Wüsten werden bewässert
werden
Die Wasser werden wieder rein sein.
Die Erde wird wie ein Garten sein
Der Mensch wird auf alles achten,
was lebt
Er wird reinigen, was er beschmutzt
hat
Er wird die ganze Erde als seine
Heimat ansehen
Und er wird mit Weisheit an das Morgen
denken.
Strophe 38
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird jeder sein wie ein gleichmäßiger
Schritt
Man wird alles über die Welt
und seinen Körper wissen
Krankheiten werden geheilt werden,
bevor sie auftreten
Jeder wird sein eigener Heiler und
der anderer sein.
Man wird verstanden haben, daß
man helfen muß, um aufrechtzuerhalten
Und der Mensch wird nach den Zeiten
der Verschlossenheit und des Geizes sein Herz und seine Börse den
Besitzlosen öffnen
Er wird sich als Hüter der menschlichen
Ordnung verstehen
Und so wird endlich eine neue Zeit
anbrechen.
Strophe 39
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird der Mensch gelernt haben, zu
geben und zu teilen
Die bitteren Tage der Einsamkeit
werden vorbei sein
Er wird von neuem an den Geist glauben
Und die Ungläubigen werden alles
anerkannt haben.
Doch was wird nach den Kriegen und
Feuersbrünsten geschehen
Es wird aus den verkohlten Trümmern
der Türme von Babel erstehen
Und eine eiserne Faust wird nötig
sein damit Ordnung in das Chaos kommt
Und der Mensch den rechten Weg wiederfindet.
Strophe 40
Wenn das Jahrtausend, das nach dem
Jahrtausend kommt, zu Ende geht
Wird der Mensch wissen, daß
alle Lebewesen Träger des Lichts sind
Und das sie Geschöpfe sind,
die Respekt verlangen
Er wird neue Städte gründen
Im Himmel, auf der Erde und auf dem
Meer.
Er wird sich erinnern an das, was
einst war
Und er wird zu deuten wissen, was
sein wird
Er wird keine Angst mehr haben vor
seinem eigenen Tod
Denn er wird mehrere Leben in seinem
Leben gelebt haben
Und er wird wissen, daß das
Licht niemals erlöschen wird.
Ich sehe und ich weiß. Meine
Augen entdecken den Himmel, was sein wird, und ich durchmesse die Zeit
mit einem Schritt. Eine Hand führt mich an den Ort, den ihr nicht
seht und von dem ihr nichts wißt.
Tausend Jahre werden vorbeigezogen
sein, und Jerusalem wird nicht mehr die Stadt der Kreuzritter Christi sein.
Der Sand wird die Mauern unserer Burgen, unserer Waffen und Gebeine unter
seinen Körpern begraben haben. Er wird unsere Stimmen und unsere Gebete
erstickt haben.
Die Christen, die als Pilger von
weither kommen, dorthin, wo einst ihr Gesetz und ihr Glaube war, werden
sich nicht mehr zum Grabe und zu den Reliquien wagen, nur noch in Begleitung
jüdischer Ritter, die ihr Königreich und ihren Tempel hier haben,
als ob Christus niemals am Kreuz gelitten hätte.
Es wird eine riesige Schar von Ungläubigen
geben, die sich überall ausbreiten, und ihr Glaube wird wie ein Schlag
des Tamburins vom einen Ende der Welt zum anderen widerhallen.
Ich sehe die gewaltige Erde. Kontinente,
die Herodot in seinen Träumen nicht benennen konnte, werden dazukommen,
jenseits der großen Wälder, von denen Tacitus sprach, und weit
weg am Ende der grenzenlosen Meere, die hinter den Säulen des Herkules
beginnen.
Tausend Jahre werden vergangen sein
seit der Zeit, in der wir leben, und die Lehen werden sich überall
zu großen Reichen und riesigen Imperien vereinigt haben.
Kriege, so zahlreich wie die Glieder
der Kettenhemden, welche die Ordensritter tragen, werden einander überlagern
und die Reiche und Imperien stürzen, um neue zu schaffen.
Und die Leibeigenen, die Bauern, die
Armen ohne Feuer werden tausendmal den Aufstand geprobt, Ernten, Burgen
und Städte angezündet haben, bis man ihnen bei lebendigem Leib
die Haut abzieht und die Überlebenden zwingt, in ihre Schlupfwinkel
zurückzukehren. Sie werden wähnen, daß sie Könige
seien.
Tausend Jahre werden vergangen sein,
und der Mensch wird die Tiefe der Meere und des Himmels erobert haben,
und er wird wie ein Stern am Firmament sein. Er wird die Kraft der Sonne
gewonnen haben und sich für Gott halten und auf der gewaltigen Erde
tausend babylonische Türme bauen.
Er wird Mauern errichtet haben auf
den Ruinen derer welche die römischen Kaiser einst bauten, und sie
werden ein weiteres Mal die Legionen von den Barbarenhorden trennen.
Jenseits der großen Wälder
wird es ein Reich geben. Wenn die Mauern zusammenbrechen, wird das Reich
nur noch schlammiges Wasser sein. Die Völker werden sich ein weiteres
Mal vermischen.
Dann wird das Jahrtausend beginnen,
das nach dem Jahrtausend kommt. Ich sehe, und ich weiß, was sein
wird. Ich bin der Schreiber.
Wenn das Jahrtausend beginnt, das
nach dem Jahrtausend kommt, wird der Mensch vor dem dunklen Eingang zu
einem undurchdringlichen Labyrinth stehen. Und in der Tiefe dieser Nacht,
in die er eintreten wird, sehe ich die roten Augen des Minotaurus. Hüte
dich vor seiner grausamen Wut, du, der du in dem Jahrtausend lebst, das
nach dem Jahrtausend kommt.